← Back to Blog

Ist eine elektronische Unterschrift in Deutschland rechtsgültig?

Alles zur Rechtsgültigkeit elektronischer Unterschriften in Deutschland: eIDAS-Verordnung, SES vs. AES vs. QES, und welche Dokumente welche Signaturstufe benötigen.

Die kurze Antwort: Ja, aber es kommt auf die Details an

Elektronische Unterschriften sind in Deutschland rechtsgültig. Das steht seit 2016 dank der europäischen eIDAS-Verordnung (Verordnung (EU) Nr. 910/2014) fest. Doch nicht jede elektronische Unterschrift hat dieselbe Beweiskraft, und für bestimmte Rechtsgeschäfte gelten strengere Anforderungen.

In diesem Leitfaden erklären wir die drei Stufen elektronischer Signaturen, welche Dokumente welche Stufe erfordern und wie Sie im Alltag rechtssicher digital unterschreiben.

Die gesetzliche Grundlage: eIDAS-Verordnung

Die eIDAS-Verordnung ist seit dem 1. Juli 2016 in allen EU-Mitgliedstaaten unmittelbar gültig – auch in Deutschland. Sie ersetzt die frühere Signaturrichtlinie (1999/93/EG) und schafft einen einheitlichen Rechtsrahmen für elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste.

Der zentrale Grundsatz lautet:

Einer elektronischen Signatur darf die Rechtswirkung und die Zulässigkeit als Beweismittel in Gerichtsverfahren nicht allein deshalb abgesprochen werden, weil sie in elektronischer Form vorliegt. — Artikel 25, Absatz 1, eIDAS-Verordnung

Das bedeutet: Ein Gericht darf eine elektronische Unterschrift nicht einfach ablehnen, nur weil sie digital ist. Die Beweiskraft hängt jedoch von der Art der Signatur ab.

Die drei Stufen elektronischer Signaturen

1. Einfache elektronische Signatur (SES)

Die einfache elektronische Signatur (Simple Electronic Signature) ist die niedrigste Stufe. Sie umfasst jede Form elektronischer Daten, die einer Willenserklärung zugeordnet werden können.

Beispiele:

  • Ein getippter Name unter einer E-Mail
  • Ein eingescanntes Bild Ihrer handschriftlichen Unterschrift
  • Eine mit der Maus gezeichnete Unterschrift in einem PDF-Tool wie SigPDF
  • Ein Klick auf einen „Ich stimme zu"-Button

Rechtswirkung: Rechtlich anerkannt, aber mit der geringsten Beweiskraft. Im Streitfall muss der Unterzeichner nachweisbar sein.

Geeignet für: Alltägliche Geschäftsdokumente, interne Genehmigungen, Angebote, Auftragsbestätigungen, einfache Verträge.

2. Fortgeschrittene elektronische Signatur (AES)

Die fortgeschrittene elektronische Signatur (Advanced Electronic Signature) muss vier Kriterien erfüllen (Artikel 26, eIDAS):

  • Sie ist eindeutig dem Unterzeichner zugeordnet.
  • Sie ermöglicht die Identifizierung des Unterzeichners.
  • Sie wird mit Daten erstellt, die der Unterzeichner unter seiner alleinigen Kontrolle hat.
  • Sie ist so mit den signierten Daten verbunden, dass jede nachträgliche Veränderung erkennbar ist.

Beispiele:

  • Signaturen mit kryptographischen Schlüsseln
  • Signaturen über verifizierte Identitätsplattformen

Rechtswirkung: Höhere Beweiskraft als SES. Die Zuordnung zum Unterzeichner ist deutlich stärker.

Geeignet für: Verträge mit höherem Geschäftswert, Datenschutzvereinbarungen, B2B-Verträge.

3. Qualifizierte elektronische Signatur (QES)

Die qualifizierte elektronische Signatur (Qualified Electronic Signature) ist die höchste Stufe und der handschriftlichen Unterschrift nach § 126a BGB gleichgestellt.

Sie erfordert:

  • Ein qualifiziertes Zertifikat eines akkreditierten Vertrauensdiensteanbieters
  • Die Erstellung mit einer qualifizierten elektronischen Signaturerstellungseinheit (QSCD)

Anbieter in Deutschland: D-Trust (Bundesdruckerei), sign-me (Bundesnotarkammer), Swisscom Trust Services.

Rechtswirkung: Gleichwertig zur handschriftlichen Unterschrift. Höchste Beweiskraft vor Gericht.

Geeignet für: Dokumente, die nach deutschem Recht die Schriftform erfordern.

Welche Dokumente brauchen welche Signaturstufe?

Dies ist die entscheidende Frage für die Praxis. Hier eine Übersicht:

| Dokument | Mindest-Signaturstufe | Anmerkung | |----------|----------------------|-----------| | E-Mails, interne Freigaben | SES | Formfrei gültig | | Angebote und Auftragsbestätigungen | SES | Handelsrechtlich formfrei | | Kaufverträge (bewegliche Sachen) | SES | § 433 BGB – formfrei | | Mietverträge (< 1 Jahr) | SES | Formfrei gültig | | Arbeitsverträge | SES | Seit 2025 auch digital möglich | | Mietverträge (> 1 Jahr) | SES empfohlen, QES sicherer | Schriftform für Beweiszwecke sinnvoll | | Bürgschaften | QES | § 766 BGB – Schriftform erforderlich | | Grundstückskaufverträge | Notarielle Beurkundung | § 311b BGB – keine eSignatur möglich | | Testamente | Handschriftlich | § 2247 BGB – eigenhändig geschrieben | | Kündigungen (Arbeitsrecht) | QES oder handschriftlich | § 623 BGB – Schriftform zwingend |

Wichtig: Die Formfreiheit ist im deutschen Recht der Grundsatz (§ 125 BGB). Die meisten Verträge sind auch ohne Schriftform gültig – eine einfache elektronische Signatur reicht also in vielen Fällen vollkommen aus.

Einfache elektronische Signatur im Alltag

Für die überwiegende Mehrheit Ihrer täglichen Dokumente ist eine einfache elektronische Signatur (SES) ausreichend. Das umfasst:

  • Freelancer-Verträge und Projektvereinbarungen
  • Angebote und Kostenvoranschläge
  • Mietverträge für Wohnungen (unter einem Jahr)
  • Interne Unternehmensdokumente
  • Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs)
  • Vollmachten (sofern keine Schriftform vorgeschrieben ist)

Tools wie SigPDF ermöglichen genau diese Art der Signatur: Sie laden Ihre PDF-Datei im Browser, zeichnen oder tippen Ihre Unterschrift und laden das signierte Dokument herunter. Die gesamte Verarbeitung findet lokal in Ihrem Browser statt – Ihre Dateien werden zu keinem Zeitpunkt auf einen Server hochgeladen.

Das ist besonders relevant im Hinblick auf die DSGVO: Wenn Ihre Dokumente personenbezogene Daten enthalten (Verträge mit Namen, Adressen, Gehältern), ist ein Tool mit lokaler Verarbeitung datenschutzrechtlich die sicherste Wahl.

Häufige Irrtümer zur elektronischen Unterschrift

„Eine elektronische Unterschrift ist nie so gut wie eine handschriftliche."

Falsch. Eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) ist der handschriftlichen Unterschrift nach § 126a BGB rechtlich gleichgestellt. Und für formfreie Verträge ist selbst eine einfache elektronische Signatur gültig.

„Ich brauche immer ein Zertifikat."

Falsch. Zertifikate sind nur für die qualifizierte elektronische Signatur (QES) erforderlich. Für die einfache und fortgeschrittene Stufe genügen andere Verfahren.

„Online-Unterschriften sind leicht zu fälschen."

Teilweise richtig. Eine einfache elektronische Signatur bietet weniger Fälschungsschutz als eine QES. Aber in Kombination mit weiteren Beweismitteln (E-Mail-Verlauf, IP-Adresse, Zeitstempel) ist sie in der Praxis sehr schwer anfechtbar.

„Mein Vertragspartner kann die elektronische Unterschrift einfach ablehnen."

Falsch. Nach Artikel 25 der eIDAS-Verordnung darf einer elektronischen Signatur die Rechtswirkung nicht allein wegen ihrer elektronischen Form abgesprochen werden. Allerdings steht es Vertragspartnern frei, vertraglich eine bestimmte Form zu vereinbaren.

Tipps für rechtssicheres digitales Unterschreiben

  1. Dokumentieren Sie den Signaturprozess: Speichern Sie E-Mails und Kommunikation rund um die Unterschrift als Beweismittel.

  2. Verwenden Sie ein vertrauenswürdiges Tool: Nutzen Sie ein etabliertes Signatur-Tool wie SigPDF (ab €2,99/Monat), das datenschutzkonform arbeitet.

  3. Prüfen Sie die Formvorschriften: Vor dem Unterschreiben sollten Sie sicherstellen, dass für Ihr Dokument keine qualifizierte Signatur oder notarielle Beurkundung erforderlich ist.

  4. Archivieren Sie signierte Dokumente: Bewahren Sie das signierte PDF zusammen mit einem Zeitstempel sicher auf.

  5. Im Zweifel: QES nutzen: Wenn Sie unsicher sind, ob eine einfache Signatur reicht, können Sie mit einer qualifizierten elektronischen Signatur auf der sicheren Seite sein.

Fazit

Elektronische Unterschriften sind in Deutschland seit 2016 durch die eIDAS-Verordnung rechtlich anerkannt. Für die große Mehrheit der Alltagsdokumente genügt eine einfache elektronische Signatur – genau die Art, die Sie mit browserbasierten Tools wie SigPDF schnell und datenschutzkonform erstellen können. Nur für bestimmte Rechtsgeschäfte (Bürgschaften, Arbeitskündigungen, Grundstücksverträge) sind strengere Anforderungen vorgeschrieben.

Informieren Sie sich im Einzelfall über die Formvorschriften, wählen Sie ein datenschutzfreundliches Signatur-Tool und archivieren Sie Ihre signierten Dokumente sorgfältig. So sind Sie auf der sicheren Seite.

PDF jetzt rechtssicher unterschreiben mit SigPDF →

Ready to Sign Your PDF?

Upload your document and add your signature in seconds. No signup required.

Try SigPDF →